Trettachspitze – das Allgäuer Matterhorn
Die Trettachspitze ist einer dieser Berge, die man im Allgäu nicht übersehen kann. Als Teil des Allgäuer Dreigestirn thront sie gemeinsam mit Mädelegabel und Hochfrottspitze über Oberstdorf. Diese Tour ist alles andere als ein Spaziergang. Die abgelegene Lage im hintersten Stillachtal, die vielen Höhenmeter und die luftige Kraxelei im 3. UIAA-Grad machen sie zu einer echten alpinen Geschichte.
Vorab: Als Tagestour mit 1650 Höhenmetern ist Trettach ein langer Bergtag, aber machbar, wenn man fit ist. Wer es entspannter angehen möchte, sollte unbedingt eine Nacht im Waltenberger Haus einplanen, das entzerrt zumindest die Wegstrecke und Höhenmeter - die technischen Schwierigkeiten bleiben jedoch bestehen.
Wir starten unsere Tour Richtung Einödsbach – allerdings nicht komplett zu Fuß. Bis dorthin kürzen wir mit dem Fahrrad ab, was sich definitiv lohnt. Wichtig: Nehmt kein Rennrad so wie ich, der Untergrund ist Schotter und ihr werdet es bereuen.
Ab Einödsbach geht es dann zu Fuß weiter ins hinterste Stillachtal und über die Einödsberg-Alpe zu Spätgundkopf und Wildengundkopf. Der Zustieg zieht sich, die Dimensionen der Tour werden schnell spürbar.
Schließlich queren wir zum Nordostgrat - ein kleines Schneefeld erwartet uns und ich bereue, keine hohen Bergstiefel zu tragen. Je höher wir kommen, desto alpiner wird das Gelände. Aus Wanderwegen wird Kraxelei, der dritte UIAA Grad sollte zwingend beherrscht werden!
Die Route verlangt absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Immer wieder bewegen wir uns direkt auf der Gratkante. Der Fels ist – typisch Allgäu – nicht immer bombenfest, entsprechend konzentriert muss man unterwegs sein.
Kurz unter dem Gipfel erreichen wir eine kleine Nische. Von hier führen zwei Varianten zum Gipfelkreuz – wir wählen die leichtere Linie und stehen wenig später oben.
Ein besonderer Moment: Der Blick schweift über die Allgäuer Alpen, die exponierte Lage ist deutlich spürbar – und man merkt sofort, warum dieser Gipfel so viele anzieht. Franz füttert die Dohlen und ich verewige uns im Gipfelbuch.
Der Abstieg erfolgt über den Nordwestgrat. Auch hier bleibt es spannend: ausgesetzt, stellenweise steil und mit einigen Abseil- bzw. Sicherungsmöglichkeiten ausgestattet.
Wir entscheiden uns dafür, teilweise abzuseilen – vor allem, weil bereits etwas Schnee in der Route lag. Das hat die Sache sicherer und entspannter gemacht.
Nach dem Grat wird das Gelände wieder leichter, und wir steigen zurück Richtung Einödsberg-Alpe ab, um dann zurück in der Zivilisation bei der Alpe Eschbach einzukehren. Kaffee und Kuchen schmecken selten so gut wie nach einer solchen Tour.
Hohe Bergstiefel lohnen sich - Altschneefelder halten sich lange.
Am Kraxelgrat geht es ausgesetzt bergauf - der 3. Grat sollte sicher beherrscht werden.
Im Abstieg seilen wir zwei kurze Längen ab.
Startpunkt: Oberstdorf / Fellhornbahn / Birgsau / Einödsbach
Ziel: Trettachspitze 2595m
Weglänge: ca. 22 km hin und zurück
Höhenmeter: 1650 hm bei Begehung als Tagestour
Dauer: einen vollen Bergtag oder zwei Tage bei Übernachtung im Waltenberger Haus
Schwierigkeit: lange, ausdauernde Tour, die sicheres kraxeln im 3. UIAA-Grad verlangt
Ausrüstung: hohe Bergschuhe mit Profil, Gurt, Helm, Abseilgerät, Karabiner, bei Bedarf mobile Sicherungen & Expressen
Beste Jahreszeit: Sommer
Highlight: das Allgäuer Matterhorn bestiegen