Mit 3267 Metern ist der Clariden einer der markanten Hochgipfel der Glarner Alpen. Zwischen Gross Schärhorn und Gemsfairenstock gelegen, beeindruckt er mit einem fantastischen Panorama. Besonders der Blick hinüber zum Tödi macht die Besteigung für mich zu einem echten Highlight.
Dank der Klausenpassstraße lässt sich der Clariden bei guter Kondition als lange, aber gut machbare Tagestour besteigen. Dabei führt die Route durch überraschend abwechslungsreiche Landschaften: von grünen Alpweiden über eine fast marsähnliche Gerölllandschaft bis hin zu vergletschertem Gelände und einem ausgesetzten Felsgrat.
Wir starten unsere Tour direkt am Klausenpass auf knapp 1950 Metern, vor uns liegt ein langer Tag mit rund 1380 Höhenmetern im Aufstieg und insgesamt etwa neun Stunden Gehzeit.
Zunächst folgen wir einem Ziehweg, der uns über die südseitigen Alpweiden zu einer höher gelegenen Alphütte führt. Noch wirkt die Landschaft grün und freundlich, doch mit jedem Höhenmeter verändert sich das Bild.
Der Weg führt zunehmend in kargeres Gelände und ab etwa 2400 Metern wird die Landschaft immer steiniger. Die weitläufige Schutt- und Gerölllandschaft wirkt beinahe wie eine kleine Marslandschaft und lässt bereits erahnen, dass wir uns dem hochalpinen Gelände nähern.
Oberhalb von etwa 2550 Metern wird die Flanke schmaler und führt uns auf einen Gratrücken in Richtung Iswändli. Hier bietet sich ein guter Platz für eine kurze Pause an, wo wir die Steigeisen anlegen und uns für den vergletscherten Abschnitt vorbereiten.
Das Iswändli war früher die Schlüsselstelle der Tour. Durch den starken Gletscherrückgang hat die einstige Eiswand allerdings viel von ihrer ursprünglichen Ernsthaftigkeit verloren. Trotzdem bleibt die Passage eine alpine Herausforderung und sollte keinesfalls unterschätzt werden.
Die rund 40 Grad steile Stufe führt über Firn und Eis nach oben. Hier sind Steigeisen und Pickel notwendig und auch Anseilen kann sinnvoll sein.
Oberhalb des Iswändli wird das Gelände wieder flacher und wir erreichen das Chammlijoch. Von hier geht es weiter in Richtung Claridenvorgipfel. Der Weg wird nun deutlich alpiner: Das Gelände ist teilweise weglos, steinig und wirkt stellenweise ziemlich brüchig. Die ideale Route ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, sodass wir uns unseren Weg selbst suchen müssen.
Immer wieder kommen kurze Kraxelstellen dazu, meist bleibt der Aufstieg jedoch im Bereich des alpinen Bergwanderns. Nach einem kurzen, unschwierigen Abstieg vom Vorgipfel erreichen wir den Sattel zum Hauptgipfel. Vor uns liegt nun der letzte und gleichzeitig spannendste Abschnitt der Tour.
Über blockige Felsen folgen wir dem Westgrat in Richtung Gipfel. Die Kletterei bewegt sich überwiegend im II. UIAA-Grad. An den etwas schwierigeren Stellen helfen uns grobgliedrige Ketten und eiserne Trittbügel, die den ausgesetzten Grat deutlich entschärfen.
Schließlich erreichen wir den Gipfel des Clariden auf 3267 Metern. Und spätestens hier ist klar, warum sich die lange Tour gelohnt hat: Der Gipfel bietet ausreichend Platz für eine ausgiebige Pause und eröffnet einen fantastischen Blick über die Glarner und Urner Alpen.
Besonders der Tödi zieht dabei alle Blicke auf sich. Auch das Gross Schärhorn und der Claridenfirn präsentieren sich eindrucksvoll. Nach den vielen Höhenmetern tut es gut, einfach einmal sitzen zu bleiben, die Aussicht zu genießen und den Gipfelerfolg auf sich wirken zu lassen.
über grüne Wiesen oberhalb des Klausenpass
das Iswändli - ehemalige Schlüsselstelle der Tour
der Weg vom Vorgipfel bis zum Gipfel des Clariden
Kraxelstellen im II. Grad - unterstützt durch Eisenketten
Für den Abstieg wählen wir dieselbe Route zurück zum Klausenpass. Die Ketten und Trittbügel am Westgrat sind dabei auch im Abstieg eine willkommene Unterstützung. Da wir die Schlüsselstellen bereits vom Aufstieg kennen, können wir die einzelnen Passagen nun deutlich besser einschätzen.
Wer die Tour nicht als Tagestour unternehmen möchte, kann den Clariden auch wunderbar in eine längere Hochtourenunternehmung integrieren. Als Ausgangspunkt bieten sich beispielsweise die Planurahütte oder die Claridenhütte an. Auch eine Überschreitung mit Übernachtung auf einer der umliegenden Hütten ist möglich.
Gipfelhöhe: 3267 m
Ausgangspunkt: Klausenpass, ca. 1950 m
Höhenmeter: ca. 1380 hm im Aufstieg und Abstieg, ca. 9 Stunden Gesamtzeit
Schwierigkeit: PD, Kletterstellen bis II. UIAA-Grad, Firn/Eis: bis ca. 40°
Anforderungen: gute Kondition, Trittsicherheit, alpine Erfahrung und Erfahrung im vergletscherten Gelände
Ausrüstung: vollständige Gletscherausrüstung, Steigeisen und Pickel je nach Verhältnissen
Disclaimer: Hochtouren sind ernsthafte alpinistische Unternehmungen. Sie erfordern Erfahrung, die richtige Ausrüstung und alpine Kenntnisse – oder die Begleitung durch einen Bergführerin. Dieser Blogartikel ist ein persönlicher Erfahrungsbericht keine Garantie für die Sicherheit anderer.