Grand Perron (2673 m) – Luftige Grattour mit Mont-Blanc-Panorama
Manchmal sind es nicht die höchsten Gipfel, die am meisten Eindruck hinterlassen: Die Überschreitung über die Traverse de Perron bietet alles, was eine genussvolle Grattour ausmacht: luftige Kletterei, mehrere Abseilstellen, abwechslungsreiches Gelände und ein Panorama, das vom Mont-Blanc-Massiv bis zu zahlreichen Viertausendern der Westalpen reicht.
Wir waren Ende Mai 2026 unterwegs – genau in der Übergangsphase zwischen Skihochtouren- und Sommersaison. Während der Grat bereits komplett schneefrei war, mussten wir im Zu- und Abstieg noch ordentlich durch Altschneefelder stapfen. Machbar, aber im Hochsommer bestimmt angenehmer!
Ausgangspunkt der Tour ist der Lac d'Emosson. Von dort folgen wir dem Zustiegsweg Richtung Veudale-Schlucht und steigen zum Einstieg der Traverse auf. Der eigentliche Grataufbau wirkt von unten beeindruckend. Die markanten Felstürme des Grand Perron ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich und lassen bereits erahnen, was für ein abwechslungsreicher Tag vor uns liegt.
Über eine markante Schuttrinne steigen wir schließlich zur ersten Scharte auf und erreichen den Beginn der eigentlichen Überschreitung.
Nach einer kleinen Jause geht's los: Die Traverse de Perron ist weniger eine klassische Klettertour als vielmehr eine ausgedehnte Grattour mit ständig wechselndem Charakter. Schrofige Passagen wechseln sich mit schönen Kletterstellen, kurzen Abseilern und luftigen Gratabschnitten ab.
Vom ersten Gipfelpunkt führt die Route über den Grat des Grand Perron weiter. Bereits hier eröffnet sich ein fantastischer Blick auf die umliegenden Berge. Besonders das Mont-Blanc-Massiv dominiert die Szenerie und begleitet einen praktisch den gesamten Tag.
Während der Überschreitung muss mehrfach abgeseilt werden! Die Abseiler sind allesamt gut eingerichtet und führen immer wieder in markante Scharten, bevor die nächste Gratpassage beginnt. Dazwischen warten Kletterstellen bis max. franz. 4a.
Da sowohl mein Tourenpartner als auch ich an diesem Tag einen ausgesprochen guten Tag erwischt hatten, sind wir die gesamte Traverse seilfrei geklettert und haben das Seil ausschließlich für die Abseilstellen verwendet. Dadurch kamen wir sehr zügig voran und konnten die komplette Überschreitung inkl. Zu- und Abstieg in rund sieben Stunden absolvieren.
Wichtig ist dabei aber: Das ist keinesfalls die Norm und setzt absolute Sicherheit in diesem Gelände voraus. Die Tour lässt sich gut mit mobilen Klemmgeräten, Schlingen sowie über Blöcke und Felszacken absichern. Wer dies nutzt, sollte allerdings deutlich mehr Zeit einplanen.
Während wir über den Grat klettern, schweift der Blick immer wieder zum Mont Blanc, zu den vergletscherten Gipfeln des Mont-Blanc-Massivs und zu zahlreichen weiteren Viertausendern der Alpen. Selbst der mächtige Grand Combin präsentiert sich eindrucksvoll am Horizont.
bestes Mont-Blanc-Panorama
Nach dem letzten Gipfelpunkt führt die Route über einfacheres Gelände Richtung Brèche du Perron. Von dort beginnt der Abstieg zurück Richtung Lac d'Emosson zunächst über einen Trampelpfad, dann über einen Wanderweg. Schließlich erreichen wir die Staumauer des Lac d'Emosson und damit den Ausgangspunkt unserer Tour.
Nach sieben Stunden auf dem Grat fällt das Fazit eindeutig aus: Die Traverse de Perron gehört für mich zu den schönsten Gratüberschreitungen, die man in dieser Schwierigkeit unternehmen kann.
1000 HM, ca. 450 Klettermeter
Seillängen: keine & alle. individuelle Gestaltung der Absicherung
max. franz. 4a
Absicherung: nur bei den Abseilstellen sind verlässliche Bohrhaken zu finden, sonst selbst abzusichern, 1-2 alte Schlaghaken
Ausrüstung: 50-m-Seil, Helm, Gurt, Abseilgerät; mobile Sicherungsmittel und Schlingen
Abstieg über Wanderweg
Topo gibt es auf Rockfax
frühlingshafter Zustieg
Snacks :)
eine der Abseilstellen
Crux im Bereich 4a
Disclaimer: Klettern ist eine alpine Sportart & bringt dementsprechende Gefahren mit sich. Dieser Tourentipp ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und keine Garantie für die Sicherheit anderer.