Ein 4.000er mit Meerblick 😎
Der Dôme de Neige des Écrins gilt meist als Vorgipfel der höheren Barre des Écrins (4.102 m), dem höchsten Gipfel des Écrins-Massivs und dem südlichsten und westlichsten Viertausender der Alpen. Er ist aber auch für sich ein eigenständiger, lohnender Viertausender: eine Tour durch eine der ursprünglichsten und wildesten Regionen der Alpen, einsam, rau und wunderschön.
Tag 1 gehört dem Zustieg: Wir starten bei dem Parkplatz Le Pré de Madame Carle auf 1874 m und wandern dann rund 1.500 Höhenmeter hinauf, vorbei am Refuge du Glacier Blanc auf 2542 m zum Refuge des Écrins (3.170 m). Zunächst führt der Weg auf einem befestigten Wanderweg, vorbei an einem wilden Gebirgsbach, später führt lange über Gletscher. Je nach Verhältnissen heißt das: Anseilen und Gletscherausrüstung anlegen. Die Hütte ist einfach, aber wunderschön gelegen. Es gibt gutes Abendessen (auch vegetarisch und vegan❗), einen Schlafplatz im Lager und früh Bettruhe, denn die Nacht ist kurz.
Unser Gipfeltag fällt auf den 22. Juli 2026. Der Wecker klingekt früh:: um 3:00 Uhr gibt es Frühstück, um 3:30 starten wir unsere Tour. Zunächst steigt man auf den deutlich abgesunkenen Gletscher ab (ca. 180 Tiefenmeter), danach bleibt das Gelände angenehm flach: Wir laufen auf dem Glacier Blanc, dem "weißen Gletscher", entlang. Anschließend biegen wir nach links auf eine steilere Stufe ab, und ab hier geht es konsequent bergauf, rund 800 Höhenmeter in steilerem Gelände bis zum Dôme de Neige. Kletterpassagen gibt es keine, alles ist Gehgelände.
Trotzdem sollte man diese Tour nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn sie "nur" ein Gletscher-Wander-Viertausender ist. Der Normalweg ist von Séracs durchzogen und sehr spaltig ❗ Wir erleben durchaus spannende Momente. Um 7:30 Uhr stehen wir schließlich auf dem Dôme de Neige, der "Schneekuppe", die ihrem Namen alle Ehre macht. 🏔️
Die Barre des Écrins mit ihrem ausgeprägten Gipfelgrat, der geklettert werden muss, hatte ich eigentlich auch im Blick. Aber die Verhältnisse spielen nicht mit. Der Grat würde uns Zeit kosten und die tageszeitliche Erwärmung auf dem Rückweg für unser Riskikoempfinden zu große Probleme bereiten. Die Entscheidung ist schnell getroffen: Der Dôme de Neige ist heute genug.
Abstieg und Fazit
Der Abstieg erfordert noch einmal volle Konzentration. Die Verhältnisse am Gletscher sind so heikel, dass wir an einer Spalte abseilen müssen. Zum Glück können wir uns mit einer tschechischen Seilschaft zusammen tun und sie opfern großmütig eine Eissschraube. Bei uns aus dem Schwabenland hätte es nur eine Abalakov gegeben 😋 Zurück auf dem flachen Teil des Glacier Blanc wird es entspannter, und wir steigen direkt ins Tal zum Parkplatz ab, zunächst kehren wir jedoch auf ein getränk beim Reufge du Glacier Blanc ein.
Übrigens: Im Talort Ailefroide wartet ein wunderschöner Campingplatz, den ich absolut empfehlen kann. ⛺
Mein Fazit: Der Dôme de Neige des Écrins ist ein toller Einstieg in die Écrins, technisch nicht schwierig, aber landschaftlich grandios und alpin nicht zu unterschätzen. Wer die Barre des Écrins mitnehmen will, braucht stabile, kühle Verhältnisse und einen sehr frühen Start. Und zur Not gilt wie immer: Ein Gipfel ist auch genug.
Mehr Eindrücke zur Tour findest du auf meinem Instagram.
Facts & Figures
Start: Ailefroide (1.600 m)
Ziel: Dome de Neige des Écrins (4.015 m)
Übernachtung: Refuge des Écrins (3.172 m)
Höhenmeter: ca. 2.500 Hm gesamt (Auf- und Abstieg)
Strecke: Tag 1 zum Refuge des Écrins: 10 km, Tag 2 von der Monte Rosa Hütte zur Dufourspitze & nach Zermatt: 20 km
Charakter: Hochtour, Spaltenzonen, Serac-Zonen
Schwierigkeit: PD+ / WS+ (alpine Erfahrung und Gletscherroutine notwendig, Hochtourenbewertung)
Weitere Ziele möglich: z. B. Barre des Écrins (4.102 m), nur bei sicherem Wetter und guten Gletscherverhältnissen
Disclaimer: Hochtouren sind eine alpine Sportart und bringen dementsprechende Gefahren mit sich. Dieser Tourentipp ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und keine Garantie für die Sicherheit anderer.